Zusammenfassung:
Für den Stromverbrauch einer Wärmepumpe zählt die Vorlauftemperatur oft mehr als das Gerät. Der Ratgeber zeigt, warum jedes Grad weniger etwa 2 bis 3 Prozent Strom spart, wie Sie zu kleine Heizkörper selbst finden, was der Tausch kostet und wie KfW und BAFA ihn fördern.
Wer über eine Wärmepumpe nachdenkt, spricht meist über das Gerät: Hersteller, Leistung, Lautstärke, Preis. Die Heizkörper kommen in diesen Gesprächen kaum vor. Dabei entscheiden gerade sie mit darüber, wie viel Strom die Wärmepumpe später Jahr für Jahr verbraucht. Der Grund ist eine einzige Zahl: die Vorlauftemperatur.
Hier lesen Sie, wie Sie die Engpass-Heizkörper in Ihrem Haus finden, was der Tausch kostet und wie er gefördert wird.
Was ist die Vorlauftemperatur?
Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Heizwassers, das von der Heizung zu den Heizkörpern fließt. Das abgekühlte Wasser, das zurückkommt, heißt Rücklauf. Alte Öl- und Gaskessel laufen im Winter häufig mit 60 bis 70 °C Vorlauf. Für einen Kessel ist das kein großes Problem, für eine Wärmepumpe schon.
Wie hoch der Vorlauf sein muss, hängt von zwei Dingen ab: wie viel Wärme ein Raum an kalten Tagen verliert (die Heizlast) und wie groß die Fläche ist, die diese Wärme abgeben soll. Ein kleiner Heizkörper braucht heißes Wasser, um einen Raum warm zu bekommen. Ein großer schafft dasselbe mit deutlich kühlerem.
Warum die Vorlauftemperatur den Stromverbrauch der Wärmepumpe bestimmt
Eine Wärmepumpe holt Wärme aus der Außenluft oder dem Erdreich und hebt sie mit einem Verdichter auf die Temperatur, die das Heizsystem verlangt. Je größer dieser Sprung, desto mehr muss der Verdichter arbeiten und desto mehr Strom fließt. Als Faustregel gilt: Jedes Grad weniger Vorlauf senkt den Stromverbrauch um etwa 1 bis 2,5 Prozent.
Das klingt nach wenig. Bei 10 Grad Unterschied, also etwa 45 statt 55 °C, sind es aber schnell 20 bis 25 Prozent. Gemessen wird das über die Jahresarbeitszahl (JAZ): Wärme pro Kilowattstunde Strom, übers ganze Jahr. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme hat 77 Wärmepumpen in bestehenden Ein- bis Dreifamilienhäusern vier Jahre lang vermessen. Luft-Wasser-Wärmepumpen kamen im Mittel auf eine JAZ von 3,4, Erdwärmepumpen auf 4,3. Einzelne Anlagen lagen aber zwischen 2,6 und 5,4. Neben der Wärmequelle spielt bei diesen Unterschieden die Temperatur eine große Rolle, mit der das Haus beheizt werden muss.
Gut zu wissen: Welchen Hersteller Sie wählen, ist nicht egal. Die Temperatur, mit der Ihr Haus beheizt werden muss, legt aber nicht die Wärmepumpe fest, sondern die Heizkörper. Ein gutes Gerät an zu kleinen Heizkörpern bleibt unter seinen Möglichkeiten.
Rechenbeispiel: Was 10 Grad weniger im Jahr ausmachen
Nehmen wir ein Einfamilienhaus mit rund 20.000 kWh Heizwärmebedarf im Jahr. Mit 55 °C Vorlauf erreicht die Luft-Wasser-Wärmepumpe eine JAZ von 3,0, mit 45 °C eine JAZ von 3,7. Das passt zur Faustregel von 1 bis 2,5 Prozent pro Grad.
- Bei 55 °C: 20.000 kWh geteilt durch 3,0 ergibt rund 6.670 kWh Strom im Jahr.
- Bei 45 °C: 20.000 kWh geteilt durch 3,7 ergibt rund 5.410 kWh Strom im Jahr.
- Differenz: rund 1.260 kWh, bei 28 Cent pro kWh also etwa 350 Euro im Jahr.
Über 15 Jahre Laufzeit kommen so gut 5.000 Euro zusammen, Strompreissteigerungen nicht eingerechnet. Die Werte sind vereinfacht und in jedem Haus anders. Die Größenordnung stimmt aber: Der Tausch einiger Heizkörper kann sich über die Stromrechnung selbst bezahlen.
Muss man alle Heizkörper tauschen?
Meistens nicht. Oft sind es einzelne Räume, die die Vorlauftemperatur für das ganze Haus nach oben treiben: das Bad mit dem kleinen Handtuchheizkörper, das Eckzimmer mit zwei Außenwänden oder das Wohnzimmer mit großer Fensterfront und einem Heizkörper, der vor 40 Jahren für 70 °C ausgelegt wurde. Die Wärmepumpe muss sich nach dem schwächsten Raum richten. Bekommt genau dieser Raum einen größeren Heizkörper, kann die Temperatur im ganzen Haus sinken.
Selbsttest: Welche Räume brauchen die hohe Temperatur?
Ob Ihr Haus mit weniger auskommt, können Sie schon mit der jetzigen Heizung ausprobieren, am besten an ein paar kalten Wintertagen:
- Stellen Sie die Vorlauftemperatur am Kessel (oder die Heizkurve) schrittweise herunter, zum Beispiel erst auf 55 °C, später auf 50 °C.
- Drehen Sie alle Thermostatventile ganz auf.
- Beobachten Sie ein bis zwei Tage lang, welche Räume die gewünschte Temperatur noch erreichen.
- Schreiben Sie auf, welche Räume kalt bleiben. Dort sitzt der Engpass.
Wird das ganze Haus bei 50 bis 55 °C noch warm, sind die Voraussetzungen für eine Wärmepumpe gut, auch ohne Fußbodenheizung. Fällt nur ein Raum ab, reicht vielleicht ein einzelner größerer Heizkörper. Das Warmwasser muss dabei weiter heiß genug werden. Fragen Sie im Zweifel Ihren Heizungsbauer, wie weit Ihr Kessel heruntergeregelt werden darf.
Eine erste Einschätzung ohne Winterwetter liefert der Heizlast-Schnellcheck auf dieser Website. Belastbar wird es mit einer raumweisen Heizlastberechnung, die für jeden Raum die nötige Heizleistung ermittelt. Warum dieser Schritt so oft zu kurz kommt, lesen Sie im Ratgeber Heizlastberechnung: Der unterschätzte erste Schritt zur richtigen Wärmepumpe.
Welche Heizkörper eignen sich für die Wärmepumpe?
Einen speziellen „Wärmepumpen-Heizkörper“ braucht es nicht unbedingt. Es kommt darauf an, dass der Heizkörper bei niedriger Wassertemperatur genug Wärme abgibt. Dafür gibt es drei Wege:
- Größere Flachheizkörper, etwa mit drei statt zwei Platten (Typ 33). Das ist meist die günstigste Lösung, sofern an der Wand genug Platz ist.
- Niedertemperatur-Heizkörper mit vergrößerter Oberfläche, die von vornherein für geringe Temperaturen gebaut sind.
- Gebläsekonvektoren, bei denen kleine Lüfter die Wärmeabgabe stark erhöhen. Sie brauchen einen Stromanschluss und sind leise hörbar, passen aber gut dorthin, wo wenig Wandfläche frei ist.
Eine Fußbodenheizung kommt mit 30 bis 35 °C aus. Im Bestand lohnt das Nachrüsten aber meist nur, wenn die Böden ohnehin erneuert werden.
Was kostet der Heizkörpertausch?
Ein neuer Heizkörper kostet mit Montage je nach Größe und Bauart grob 400 bis 1.100 Euro. Teurer wird es, wenn Leitungen verlegt oder Wände geöffnet werden müssen, und auch Gebläsekonvektoren liegen darüber. Müssen in einem Einfamilienhaus drei bis fünf Heizkörper getauscht werden, landen Sie typischerweise bei 2.000 bis 5.000 Euro.
Hydraulischer Abgleich und Heizkurve: die günstigen Stellschrauben
Neue Heizkörper helfen nur, wenn das Wasser auch richtig verteilt wird. Beim hydraulischen Abgleich stellt der Fachbetrieb an jedem Heizkörper ein, wie viel Heizwasser durchfließen soll. Ohne Abgleich bekommen die Heizkörper nah an der Pumpe zu viel und die entfernten zu wenig. Dann läuft die Anlage heißer als nötig. Im Einfamilienhaus kostet ein Abgleich nach Verfahren B etwa 600 bis 1.500 Euro.
Danach kommt die Heizkurve der Wärmepumpe. Ab Werk ist sie oft vorsichtig hoch eingestellt. Wer sie im ersten Winter schrittweise absenkt, solange alle Räume warm bleiben, holt aus derselben Anlage spürbar mehr heraus.
Wie werden neue Heizkörper gefördert?
Hier kommt es auf den Zeitpunkt an (Stand: Oktober 2026).
Zusammen mit der neuen Wärmepumpe: KfW-Zuschuss 458
Werden die Heizkörper beim Heizungstausch mit erneuert, zählen sie in der KfW-Heizungsförderung (Zuschuss 458) als Umfeldmaßnahme zu den förderfähigen Kosten und werden mit demselben Satz gefördert wie die Wärmepumpe. Das sind 30 Prozent Grundförderung, dazu je nach Fall der Klimageschwindigkeitsbonus und der Einkommensbonus, zusammen höchstens 70 Prozent, bei geringem Einkommen bis 80 Prozent. Gedeckelt ist das bei 28.000 Euro förderfähigen Kosten für die erste Wohneinheit. Die Heizkörper teilen sich diesen Rahmen also mit der Wärmepumpe.
Die KfW verlangt außerdem, dass der Einbau der neuen Heizung mit einer Optimierung des gesamten Heizungsverteilungssystems verbunden wird, nachgewiesen über den hydraulischen Abgleich. Neue Heizflächen müssen dabei für eine Vorlauftemperatur von höchstens 55 °C ausgelegt sein.
Wichtig: Der Klimageschwindigkeitsbonus liegt derzeit bei 16 Prozent und sinkt am 1. Februar 2027 auf 12 Prozent. Gleichzeitig sinken die förderfähigen Kosten für die erste Wohneinheit um 750 Euro. Es zählt der Tag der Antragstellung. Was das in Euro bedeutet, zeigt der Artikel Heizungsförderung 2027: Warum sich der Antrag bis Ende Januar lohnt.
Später oder ohne Heizungstausch: BAFA-Heizungsoptimierung
Ist die Heizung schon mindestens zwei Jahre in Betrieb, fördert das BAFA den Heizkörpertausch als Heizungsoptimierung mit 15 Prozent der förderfähigen Kosten. Mit individuellem Sanierungsfahrplan (iSFP) gibt es 5 Prozentpunkte mehr, seit Juli 2026 allerdings nur noch für den Teil der Kosten über 30.000 Euro. Für einen reinen Heizkörpertausch bleibt es damit praktisch bei 15 Prozent.
In beiden Fällen gilt: Erst den Antrag stellen, dann den Auftrag vergeben. Einen Überblick über alle Zuschüsse finden Sie im Ratgeber Energetische Sanierung fördern lassen.
Häufig gestellte Fragen zur Vorlauftemperatur
Welche Vorlauftemperatur ist für eine Wärmepumpe ideal?
Je niedriger, desto besser. Mit Fußbodenheizung sind 30 bis 35 °C üblich, mit gut bemessenen Heizkörpern 45 bis 50 °C. Bis etwa 50 bis 55 °C arbeitet eine moderne Wärmepumpe noch wirtschaftlich, darüber steigt der Stromverbrauch deutlich.
Funktioniert eine Wärmepumpe ohne Fußbodenheizung?
Ja. In der Feldstudie des Fraunhofer ISE zeigte sich, dass ausreichend große Heizkörper im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen auskommen wie eine Fußbodenheizung. Entscheidend ist also nicht die Art der Heizfläche, sondern ihre Größe.
Lohnt sich der Heizkörpertausch auch ohne Wärmepumpe?
Ein Brennwertkessel profitiert auch von niedrigeren Temperaturen, aber deutlich weniger als eine Wärmepumpe. Wer in einigen Jahren umsteigen will, kann die Heizkörper aber schon jetzt über die BAFA-Heizungsoptimierung tauschen und das Haus Schritt für Schritt vorbereiten.
Fazit: Erst die Heizkörper prüfen, dann die Wärmepumpe wählen
Wie viel Strom Ihre Wärmepumpe braucht, hängt an der Vorlauftemperatur. Und die bestimmen die Heizkörper, nicht das Gerät. Bevor Sie Angebote vergleichen, sollten Sie deshalb wissen, welche Räume in Ihrem Haus die Temperatur nach oben treiben und was es kostet, das zu ändern. Oft sind es nur wenige Heizkörper, und wenn sie zusammen mit dem Heizungstausch beantragt werden, fördert die KfW sie mit.
Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
- Jedes Grad weniger Vorlauf spart etwa 1 bis 2,5 Prozent Strom, 10 Grad weniger können mehrere hundert Euro im Jahr ausmachen.
- Meist bremsen einzelne, zu kleine Heizkörper das ganze Haus aus. Ein Test an kalten Tagen zeigt, welche.
- Ein neuer Heizkörper kostet mit Montage grob 400 bis 1.100 Euro.
- Mit der Wärmepumpe über KfW 458 beantragt, gilt für die Heizkörper derselbe Fördersatz, ohne Heizungstausch fördert das BAFA 15 Prozent.
- Hydraulischer Abgleich und eine sauber eingestellte Heizkurve gehören immer dazu.
Sie möchten wissen, welche Heizkörper in Ihrem Haus zum Engpass werden und wie sich das am besten mit der Förderung verbinden lässt? Ich berechne die Heizlast raumweise, prüfe Ihre Heizflächen, berechne den hydraulischen Abgleich und begleite den Förderantrag. Vereinbaren Sie gerne ein Erstgespräch.
Axel Merkt, zertifizierter Energieeffizienz-Experte (Deutsche Energie-Agentur), BAFA- und KfW-zertifiziert, Energieberatung in Renningen und Umgebung










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